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Mit 23 Jahren war Otmar Becker der zweitjüngste Schreinermeister der Bundesrepublik. Nun feiert das Bestattungsinstitut aus Obertshausen 150. Jubiläum.

Obertshausen – Wenn am Freitag in der Kirchstraße 6 gefeiert wird, dann stehen nicht Tod und Trauer im Vordergrund, eher Trost und Tradition. Das Bestattungsinstitut Otmar Becker gilt als das älteste Unternehmen am Ort. Nikolaus Matthias Becker gründete es 1876 als Schreinerei. Seitdem hat sich viel geändert, nur eines nicht: Wie dereinst führen Mitgefühl und Empathie der Mitarbeiter das Handwerk.

Bestattung Becker

Seit Beginn residiert die Firma im Schatten der Herz-Jesu-Kirche und in Nachbarschaft der Gaststätte „Zum Grünen Baum“. Zunächst befand sich die Werkstatt allein in der Hausnummer 8. Im Jahr 1903 übernahm Kaspar Leonhard Becker den väterlichen Betrieb. Während des Ersten Weltkriegs führten dessen Sohn und dessen Schwiegertochter das Geschäft. 1948 ging die nächste Generation an den Start. Johann Martin Becker hatte seine Schreinerlehre abgeschlossen und leitete fortan die Tischlerei.

In den 50er Jahren baute die Familie das Unternehmen um. 1958 kaufte sie das benachbarte Anwesen, Kirchstraße 6, einen landwirtschaftlichen Hof. Beckers bauten einen Schauraum, in dem sie ihre Möbel ausstellten. Der heutige Seniorchef Otmar Becker erinnert sich noch, als in der hauseigenen Bauschreinerei auch die ersten Särge hergestellt wurden.

Otmar Becker, Jahrgang 1946, musste schon mit 14 Jahren mitanpacken, verrät er. „Damals haben wir noch Möbel gebaut.“ 1969 bestand er die Prüfungen und erhielt mit 23 Jahren seine Urkunde als Schreinermeister. Damit war er der Zweitjüngste seiner Branche in der Bundesrepublik, erzählt er stolz.

Vater Johann überschrieb ihm den Betrieb 1972. Ende der 80er Jahre fand der neue Chef fast keine Fachleute mehr. Zusammen mit seinem Kollegen Beck in Hausen traf er darum eine Vereinbarung: Der Betrieb an der heutigen Schwarzbachstraße übernahm die Kunden für den Ausbau von Häusern und Wohnungen und schickte im Gegenzug die Angehörigen bei Todesfällen nach Obertshausen.

Becker konzentrierte sich fortan vollends auf die Fertigung von Särgen. „Wir haben viel Kiefer verarbeitet, heute eher Fichte und Tanne“, selten Eiche, Buche und Mahagoni: „Tropenhölzer sind längst nicht mehr gefragt.“

Bis 1956 wurden die Särge noch auf einer Bestattungskutsche gefahren. Nachbar Wilhelm Winter spannte seine Pferde ein, die Verstorbenen wurden erst daheim aufgebahrt und dann zum Friedhof gebracht. Als sie auf ein Bestattungsauto umgestiegen sind, wurde die alte Kutsche zerstückelt, bedauert Senior Becker noch heute.

1986 gelang es ihm aber, eine schwarze Pferdekutsche in der ehemaligen DDR zu kaufen. Das gute Stück wurde für Beerdigungen genutzt und sogar für Filmaufnahmen des ZDF ausgeliehen, erzählt Becker. Auch beim Tag der offenen Tür am Freitag wird das Schmuckstück im Hof glänzen.

„Damals sind wir mit dem Sarg ins Haus gefahren, es gab ohnehin nur eine Sorte“, plaudert er. „Heute ist das wie bei einer Handtasche. Wir bieten verschiedene Farben und Formen an.“ Und mittlerweile werden nicht nur die einfachen Särge für die Feuerbestattung aus Osteuropa geliefert.

Viele Kundinnen und Kunden wollen einen kreativen Abschied. Särge werden rosa gestrichen, von Familie und Trauergästen beschriftet und bemalt. Auch bei Urnen sei das möglich, sagt Katrin Hartmann. Otmars Tochter übernahm 2025 in fünfter Generation das Geschäft. Die Betriebswirtin arbeitet aber bereits seit sechs Jahren mit.

Erdurnen müssen biologisch abbaubar sein, bestehen aus gepresstem Papier und Holz. Urnen aus Stahlblech sind nur für die Nischenwand erlaubt. Aktuell werden 85 Prozent der Verstorbenen in Urnen bestattet, „meistens wegen der Kosten“, weiß Katrin Hartmann. „Oft wohnen die Kinder weit weg, können sich also nicht um eine Grabstätte kümmern.“ Eine Vier-Quadratmeter-Ruhestätte sei der „teuerste Bauplatz“, ergänzt der Vater. Ein Doppelgrab schlägt mit mehr als 4.000 Euro zu Buche, ohne professionelle Pflege.

Das Institut Becker ist auf 600 Quadratmeter angewachsen, beschäftigt heute sechs Festangestellte und drei Aushilfen in Büro, Lager, Friedhof und Überführung. Seit 1986 führen sie die kompletten Friedhofsarbeiten mit Aushub und Grabschließung bis zur Ausstattung der Trauerfeier aus. Sie sorgen für den Vortrag kirchlicher Lieder oder Lieblingssongs und einen Trauerredner.

Nach einem Brand haben sie ihren Raum neu gestaltet, in dem Angehörige und Freunde eines oder einer Verstorbenen Abschied nehmen, mit einer Begleitung oder allein still trauern können.

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Kirchstraße 6, 63179 Obertshausen

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